Archiv für Januar 2013

PLAYING FOR REAL

Bended Realities 2013 /////// 24.-26.05.2013

    Verändern Spiele unser Leben?

    Für den US-Autor Edward Castronova war diese Veränderung keine Frage mehr, sondern die Titelbehauptung seines bereits 2008 erschienen Buches. Eine Grundannahme, mit der Marketingexperten schon länger arbeiten. Schließlich reicht das Punktesammeln auf dem Smartphone aus, um Millionen Kunden zum wiederholten einchecken in einen Laden zu motivieren (z.B. Foursquare) . Jeder, der seit den Achtzigern mit “Heimcomputern“ und Spielkonsolen aufgewachsen ist, kennt den Wunsch ins nächste Level aufzusteigen. Von Computerspielen geprägten Generationen ist eine Bonuspunktrunde oft näher als das größte Statussymbol. -Außer es lässt sich freispielen.
    Die Spieltheorie besagt mehr oder weniger, dass jede soziale, ökonomische oder politische Situation wie ein Spiel berechnet werden kann. Alles, was zur Einübung erwünschten Verhaltens führt, lässt sich lustvoll als soziales Spiel gestalten, sagen darauf aufbauende Gamificationtheorien, und die um sie herum entstehende Kreativindustrie. Sie beeinflussen inzwischen mit hedonistischen Anreiz-Techniken den US-Wahlkampf ebenso, wie Sammelaufkleber an der Supermarktkasse.
    Es scheint also so gut wie sicher, dass in den nächsten Jahren unsere Leben, unsere Arbeitsplätze, ebenso wie unser politisches System restlos durchgamifiziert werden. Behaupten zumindest Gamification-Theoretiker und sehen eine freundlichere, spielerische und engagiertere Welt voraus. Eine, in der auch die US-Navy über besonders kreative Lösungen für Piraten-Einsätze auf Online Rollenspiel-Art und Weise nachdenken lässt, allerdings:

    Das muss, im Sinne einer offeneren Welt, nicht nur negativ sein: Beispielsweise, wenn die besten Lösungsvorschläge im Spiel auf Hilfe für die verarmten Küstenbewohner setzen würden. Die neuen Spiele haben viele Seiten. Vom datensaugenden Social Game auf Facebook bis zum politisch kritischen Gegenteil ist alles möglich.
    Wie werden wir leben zwischen freundlich hedonistischer Verspieltheit und massiver Engagement-Optimierung? Was heißen Spiele bereits heute für uns und was können sie in Zukunft bedeuten? Werden wir überhaupt noch wissen wann und was wir spielen? Vor allem aber und typisch für ein Bended Realities Festival: Kann man die Regeln ändern und eigene Spiele spielen?
    Die Antwort liegt irgendwo dort draußen im Nebel des Bended Realities 2013.. get out and Play for real!

    Künstlerische Positionen Musik Workshops Theorie&Praxis Circuit bending Experimente
    Playing for real at BR2013!

Open Call:

    BR2013, PLAYING FOR REAL

-wirft einen Blick auf das sich verwischende Verhältnis von Spiel und Realität.
In einer zunehmend virtuell angereicherten Wirklichkeit buhlen gamifizierte Strategien in Wirtschaft und Politik massiv um unsere Teilnahme als potentielle Mitspieler. Die Weisheit, dass man sich auf der Welt immer entscheiden muss, welches Spiel man mitspielt ist vermutlich schon älter als das digitale Zeitalter. Seit den ersten Heimcomputern ist allerdings kaum eine Generation vorstellbar, die besser auf all die spielbaren Extraleben vorbereitet wäre.
Wer da mit wem spielt, scheint eine ebenso wichtige Frage zu sein, wie die,woher die Entwicklung kommt und wohin sie führt.
Gesucht werden künstlerische (Kom-)Positionen, Spiele und Projekte, die das Verhältnis von Spiel und Wirklichkeit in Zeiten der Vollvernetzung reflektieren.

Bewerbungen mit Projektbeschreibung & kurzem Lebenslauf bis 30.03.2013 an: georg_kleinde@yahoo.de

Bended Realities ist ein selbstorganisiertes Festival, das sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen und der Veränderbarkeit des digitalen Zeitalters auseinandersetzt. Das experimentelle umbauen elektronischer Klangerzeuger um nie gehörte Töne zu erforschen, aka Circuit bending, ist der namensgebende Ausgangspunkt dafür. Jedes Jahr gibt es ein aktuelles Schwerpunktthema, das künstlerisch, theoretisch und diskursiv ausgeleuchtet wird. Besonderer Wert wird dabei durch Workshops und Vorträge auf das selbst ausprobieren und kennenlernen gelegt. In der offenen Werkstatt können Projekte vorgestellt, diskutiert und ausprobiert werden.
Schaltkreise (Circuits) verändern unsere Realität, Schaltkreise können verändert, umgebogen (bending) werden. Von jedem. Bend it!

Call of the wild

Das ist ein verdammt hübscher Minister bzw. Sekretärstitel und sein Träger füllt ihn auch optisch völlig aus. So stellt man ihn sich doch vor, den Nationalparkverwalter der Zukunft:

Vieles lässt sich hineininterpretieren, in diesen grandiosen Titel, man könnte ihn ja auch so sehen: Als ironischen Aufstiegsmarkstein der digitalen Klasse in das hochkonjunkturelle Land, wo keiner mehr so genau weiß ob man wirklich noch für die Guten arbeitet. -Oder es nicht mehr so genau wissen will, natürlich.

Beasts of the southern net

Den zur Folie gehörenden, recht interessanten Vortrag über Obamas Wahlkampf gibt es hier, gefunden vom Herrn Kollegen EMM. Die Powerpoint-Blätter machen gründlich klar, warum in Zukunft kein Wahlkampf mehr ohne Internet und Komplettdurchleuchtung von Wählern und Akteuren zu gewinnen ist, und stammen von einer Firma mit dem schönen Namen „Engage“. Bei selbiger handelt es sich nach eigenen Angaben um eine „full-service interactive agency , with a track record of winning the toughest battles in politics and public policy.“

Kurz gesagt eine große Firma, die davon lebt für die Republikaner Werbung zu machen und gerne im nächsten Wahlkampf noch mehr verdienen möchte. Entsprechend sorgfältig wird die Technik des Gegners analysiert um zu dem Schluss zu kommen: „In 2016, Republicans can’t afford to fight the battles of 2012. We have to look forward to the future and start preparing now.“ Man kann sich völlig ausreichend davor fürchten, wie diese nächsten „battles“ in Übersee und hier aussehen werden. Vor allem wenn all die feinen Analyse-Instrumente noch feiner, soll heißen skrupelloser eingesetzt werden. Der Tag wird kommen, an dem Verwandte, Bekannte und sämtliche Facebookfreunde sich gegenseitig mit gründlich durchpersonalisierten und ständig aktualisierten Wahlkampfphrasen zu Tode nerven.
Wie gut, dass es in dieser gefährlichen sehr nahezukünftigen Schwafelwüste noch die tapferen „Wildlife Preservation-Untersekretäre“ gibt. Auf dass sie gut achtgeben mögen, auf all die Bären, Wölfe, Schlangen und Feldratten.




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