Das hier ist eine kleine Spekulation in Storyform darüber, wie sich die Entwicklung von Elektronik und Netz weg von Tastatur und Bildschirm hin zu haptischer und dreidimensionaler Kontrolle auf unser Leben auswirken könnte. Was passiert, wenn Spiele, Arbeitsumgebungen, ja das ganze Netz zu einem körperlich erfahrbahren und gestaltbaren RAUM werden? Ich habe diesen ersten Teil noch kaum weiter bearbeitet, allerdings schon einige Links und Videos eingefügt. Um mir die Arbeit nicht nochmal zu machen, habe ich den unfertigen Text sozusagen als Unterseite hier versteckt um weiter daran herumzufummeln, wenn wieder mehr Zeit ist. Natürlich kann man, wenn man unbedingt will, hier gerne schon herumlesen. Ich betone allerdings, dass das hier noch keineswegs meinen Ansprüchen an Form, Grammatik und auch Inhalt genügt. In diesem Sinne, selber schuld:

RAUM

oder das gehackte futur:
(in progress)

es ist so ungefähr, na, sagen wir 17, besser 18 jahre später als es jetzt grad ist.

ich hänge mal wieder wortwörtlich am “ baum“ in meinem büro oder meinem schlafzimmer, meistens aber: in meinem wald herum.

mein baum ist dort überall gleichzeitig, eines der inzwischen web-standard gewordenen grundsatzmöbel auf die hunderttausende solo oder multiplayertexturen passen. natürlich hat mein baum in schwindelnder höhe einige passende breite lianen. im „real“ eine tief durchängende fallschirmseidenhängematte, in der ich gerne in allen möglichen verrückten pseudo-yogastellungen, meistens umkehrhaltungen, aus und abhänge.

mein verkehrt baumelnder kopf blickt über endlose bergige waldhänge, mit einigen recht seltsamen bauwerken in sicht- oder nebliger gerade noch sichtweite. die auflösung ist hervorragend, auch der druckverteiler, den die meisten einfach nur den „anzug“ nennen, arbeitet perfekt und simuliert den leichten wind, der mir, in dieser höhe hängend, durch die haare weht.

ich ordne einige der vor meinem gesicht schwebenden büro, blog und nachrichtensteine träge mit dem kleinen und dem ringfinger wedelnd neu, bevor ich einen öffne: einige der neuen texturen/spiele (das kann man heutzutage nicht mehr so auseinanderhalten) sind angekommen und sehen ganz spannend aus. nichts für die hallensportler, klar, aber ich mit meinem baum und den drei kisten, die auch standardisiert sind, hab schon ne verdammt gute auswahl. natürlich gibt es die reichen mit ihren privathallen, aber die webstandards haben bezahlbare grundstrukturen durchgesetzt und der underground schafft es meistens die besten sachen für die kleinen standards oder die gemeinschaftshallen zu bauen. es gibt texturen/spiele/chatrooms und social networks (-man kann das heutzutage einfach nicht mehr auseinanderhalten!), die bestehen nur aus einer einzigen kiste und sind auf ihre art größer und besser als die teure, saubere facebookhalle, die in deinem viertel steht. meine kisten sind in real auch verdammt praktische allzweckmöbel, hab sie sogar selbst mit mikrotextur beschichtet.

facebook besuch ich nur in der vierfach gehackten freeware-version, am besten auf einer ein-kisten-variante. das ist sicherer so, man kommt sonst wirklich leicht in größeren ärger dort. und ärger heißt, deine daten werden ausgeweidet, ohne, dass du einen roten heller dafür siehst. heutzutage kann sich das keiner von uns leisten, zumindest keiner von uns waldbewohnern. nee, ist schon besser, wenn überhaupt, da nur mit ner gutgesicherten einkistentextur aufzutauchen, am besten noch mit ein paar bewegungsfälschern am anzug, man muss es den autoprofilern nicht zu einfach machen.

ich hab nicht mehr so viel zeit bis anke nachhause kommt und sollte noch was erledigen.

einige meiner kleinsten und unauffälligsten steinchen scheinen mich vorwurfsvoll anzufunkeln, die küche im real hingegen funkelt nicht im mindesten. es wären noch ungefähr vier stunden zeit bis sie zurückkommt, und unsere nächsten hallentage sind erst nächste woche..

unglaublich wie unverschämt diese steine vor mir herumfunkeln mit ihren unerledigten aufgaben! ich sollte mir die grundeinstellungen nochmal ansehen und ihnen das austreiben. schließlich ist das mein raum und in meinem raum entscheide ich allein, was wie nah an mich herankommt. ich führ schon lang keine telefongespräche mehr.

wer mit mir etwas zu tun haben will, soll mit seinem körper in den „raum“ kommen oder text durch den steinfilter schicken.

ich brauche meinen raum und hab ihn mir sehr sorgfältig eingerichtet. ich brauche platz, weite und die freiheit meinen körper so zu bewegen wie es für mich gut ist. nur wenn ich diese voraussetzungen habe, bin ich gerne und gut in dem was ich tue. und genau das ist meiner meinung nach immer noch das hauptproblem auf dieser beschißenen welt: das zu viele menschen dinge tun müssen, die sie nicht gerne tun, die sie nicht gut machen, die nicht gut für sie sind.

und, daß es leute gibt, die das auf tausend beschissene arten ausnutzen.

achscheißdochdrauf, so ist das bei mir immer: irgendeine kleinigkeit, die ich nicht gut finde erinnert mich an eine größere und ich koche völligst hoch.

ich merke wie sich eine sehne am hals verspannt, ändere meine fußposition in den schlingen auf breitbeinig und vollkommen kopfüberhängend. leicht beginne ich in der frühen abendbrise zu schaukeln. wie immer habe ich real-zeit, das ziehe ich vor. die steine schaukeln links sachte auf kopfhöhe mit. ich entspanne mich etwas, und überlege kurz.

also dieser fiese kiesel kommt erstmal in die nebelbank dahinten, da sollte ich auch einen ordnungsfilter dafür haben. während das steinchen zu seinen steuerbescheidsbrüdern in die nebel zischt öffne ich den textstein und beginne die nachrichten auszusortieren. es gibt keine prio, die nicht noch eine prioprio hätte. wenn ich mit vierfünf kurzen antworten durchkomme bleiben noch drei stunden bis zum essenmachen.

klar, dann jammert anke wieder. aber sie kann auch 9 stunden täglich oder mehr auf ihrer bürocouch liegen und bunte fische zu dreidimensionalen diagrammen zusammen und wieder auseinanderbauen. und es macht sie glücklich.

ihre arbeitsmeta besteht aus fischen und aquarien.

sie hat ihr schon vor 18 jahren hoffnungslos altbackenes lieblings-socialgame als arbeitsumgebung gewählt und das reicht ihr völlig. früher meinte sie sogar, wenn sie ihr aquarium sowieso auf der arbeit hat, dann braucht sie gar keine meta ansonsten. und zum dinge tun, zum forschen und entwickeln, oder sogar um auszuspannen in eine halle zu gehen, das kam bei ihr früher schon mal gar nicht in die frage. bis vor zwei jahren hat sie sogar, wenn sie zuhause etwas erledigen wollte, noch einen rechner mit bildschirm benutzt.

bis sie dann doch mal mitkam.

seitdem bin fast ich es, der seltener in die halle geht als sie. ich brauche auch öfter mal echte berge. aber meistens gehn wir sowieso zusammen. hüpfen und springen liegt ihr nunmal und sie ist ziemlich aufgelebt seit sie das regelmäßig macht.

na gut, also, heiner will mit nach stuttgart, das lässt sich schnell checken, die anfrage für den konzertfilm auch, das wird vermutlich ganz lustig. und jaaa lutz, ich schreib jetzt endlich die verdammte anfrage in den hallenblogs, muss ja noch nicht die offizielle variante sein. erstmal im kleinen kreis den grundgedanken testen und kucken ob sich partner finden lassen für so ein projekt. wenn ich das jetz kurz zusammenfasse und auf freundmodus losschicke dann sollte mir noch genug zeit bleiben um mir die textur vom guten alten farian anzukucken. ich liebe deine sachen, du masherkönig!

so noch schnell die übliche piratenabfrage und dann-

holla.

das ist n ding.

sie schicken einen golem.

zu mir.

wow.

wann denn überh-, verdammte scheiße, das ist ja heute, das ist ja jetzt, falls der überhaupt noch an der klingel rumsteht?

ich winke den bildstein heran, wedle mich fahrig zum eingangstordurch, und tatsächlich, da steht einer vor meinen wächterbäumen und zwar seit, scheiße mann, seit dreieinhalb stunden!

gut, golems sind ja geduldig, die haben ja kein problem sich zu beschäftigen und vermutlich ist es eh nur eine routinebefragung, eine große eben. trotzdem werd ich mich hüten wieder ne pp-anfrage zu lange ungeöffnet zu lassen. so oft kommt man ja auch nicht mit einem golem ins gespräch.

und farians textur?

ach egal, die nehm ich einfach mit, hat sicher auch n hübschen meetingplace für mich dabei, ich kenn doch die sachen vom alten farian.

ok, so klingt das doch alles hervorragend, arbeitbesprechung mit herrn golem persönlich in völlig neuer umgebung. sieht doch verdammt nach einem nachmittag aus wie ich ihn als anregend empfinde!

Anhänge
-gibt es mitunter am Ende eines Kapitels, wenn ich gerade etwas hübsch dazupassendes entdeckt habe. Weitere Hinweise sind stets wilkommen!

EELS 3D projection mapping multiplayer game from B-Reel & B-Reel Films on Vimeo.

Wie man hier sehen kann, kann die Kinect bereits beliebige echte dreidimensionale Gegenstände `digitalisieren`. Kann sie auch schon Gegenstände eines 3D-Spieles im RAUM `greifbar`machen?
Bei Touchscreens setzt die Entwicklung eventuell schon früher ein, wie man hier sehen kann.
„Ultrasound accustic radiation pressure“ klingt zwar nicht gerade gesund, besonders wenn es aus Japan kommt, aber in Verbindung mit einem holographischen Hohlspiegel macht es den ohne Handschuh berührbaren virtuellen Gegenstand möglich. Zumindest an der Universität Tokyo.

guten tag, sagt der golem, schön haben sie`s hier.

ich hab es doch bei meinem heim- und arbeits-wald belassen. den farian und die anderen texturen kann ich mir auch später ansehen, vielleicht ist ja was brauchbares für mein gehölz dabei. aber immerhin, der golem findet meinen heimwald nett, das ist für einen golem schon ganz schön persönlich. ich sehe in die leeren augenlöcher und warte, dass sich der schlammige mund wieder öffnet. perfekt gemacht natürlich, als der mund wieder anfängt auf und zu zu klappen, sehe ich sogar die kleinen matschspritzer, die über die kaum vorhandenen lippen springen und tropfen. natürlich überträgt mein anzug keine feuchte aussprache, die auf mir ankommt. dafür sind golems viel zu perfekt.




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