Das politische Spiel

TAX EVADERS!

Grade noch haben wir dieses Spiel auf unserer Tumblr-Sammlung Serious Alternatives zum 3.Bended Realities vorgestellt. Da aber kaum mehr Spaß & digitaler Situationismus möglich ist als bei diesem Teil, muss es natürlich auch hier abgefeiert werden:

Feines Ding, direkt aus der Occupy-Bewegung, unter der Beteiligung des von den Yes-Men gegründeten Yes-Lab und von Molleindustria entstanden. Sozusagen das klassische Space Invaders vor städtisch öffentlichem Raum, bloß, dass es hier darum geht, die großen Konzerne an der Steuerflucht zu hindern, indem man sie rechtzeitig abschießt.

Gelingt das nicht, werden die öffentlichen Gebäude, wie Schulen und Krankenhäuser im Hintergrund, immer rissiger, weil Geld fehlt um sie zu erhalten. In den USA wird das Spiel zurzeit in öffentlichen Aktionen auf die Wände großer Bank- und Konzerngebäude projiziert. Wenn man sein Level gemeistert hat, kann man die im Spiel abgeschossenen Fäuste öffentlicher Empörung auch gleich per Mail direkt an den Konzern seiner Wahl abschicken. Konkreter kann ein Spiel kaum werden und viele Passanten scheinen erfreut zu sein eine Runde mitzuzocken.

Mehr Serious Gaming, das heißt spielerisch einen ernsthaften Zweck zu verfolgen, mit mehr Spaß muss man auch erstmal hinbekommen. Wer auch schon immer mal Facebook, MacPappe oder Google vom Himmel holen wollte, kann hier einsteigen:

http://www.taxevaders.net/

Popenkopfweitwurf als politische Disziplin

Man konnte zur Pussy Riot Betroffenheitsflut stehen wie man wollte, -entkommen, zumindest wenn man im Fratzenbuch unterwegs war, ging einfach nicht. Und einen aufgeregten Standpunkt dazu sollte man haben müssen. Wenn es auch nur der etwas blasiert angeekelte der FAZ war, der mehr oder weniger auf „lasst mich bloß mit der linksprovokativen Aktionistenscheiße in Ruhe, das wird irgendwann auch so Baader-Ensslin-Terroristenpop, mit dem unser Feuilleton noch dreißig Jahre später nervt.“ -hinauslief.

Man kann sogar nachvollziehen, daß all die plötzlich hardcorepolitisch Facebookengagierten Bilderteiler und Popstars auf Dauer etwas nervig werden. Andererseits, ein auch mal jung gewesener FAZ-Azubi wäre sicher nicht für heimlich in der Kirche saufen (wahlweise auch Weihwasser ausschütten im Marx-Geburtshaus) , rülpsen, fluchen und sich mal krass radikal fühlen für drei Jahre nach Sibirien geschickt worden.
Außerdem führt so ein großer Engagement-Storm nicht nur zu mäßig kreativen Betroffenheits-Resultaten, sondern mitunter auch zu schönen Entdeckungen, wie beispielsweise dieser hier:

Fly Putin, Fly..
Wer also statt der dummen Vögel schon immer mal mit Popen und Politikerköpfen nach widerspenstigen Weibsbildern werfen wollte, ja der sollte. Und zwar unbedingt auf diese Seite einen Blick werfen.
Die beiden litauischen Schöpfer betrachten übrigens politische Spiele als die Journalismus/Aufklärungsform des neuen Jahrhunderts. Daraus folgen nicht nur äußerst hübsche Spiele, wie z.b. der vor der Botschaft herumhüpfbare Assange, sondern, zumindest soweit es nach mir geht, auch Einladungen um mehr dazu zu erzählen. Und zwar Einladungen zu uns, so wir uns das leisten können!

Aufrüstung der Gamezone

Oder doch eher Wettrüsten?
War ja eigentlich klar, dass Spiele, wie z.B. Battlefield 3, die mehr oder weniger unverhüllt amerikanische Interessenpolitik zum nachschießen/ bzw. spielen anbieten, inklusive dem Einmarsch in Teheran, auf Dauer nicht unbeantwortet bleiben.

Was wir hier sehen ist sozusagen die islamistische Variante davon, mitproduziert vom iranischen Militär. Vorgestellt wurde das Spiel letzten Monat in Anwesenheit eines Admirals derselbigen Flotte. Hier geht es zwar noch vergleichsweise harmlos gegen Piraten, aber die iranische Nachrichtenagentur Fars News tönt immerhin schon begeistert: „The computer game which was produced using the powerful motor of „Unity“ and enjoying a professional graphic and sounding displays the Iranian Navy’s mighty presence in the international waters and Navy commandoes‘ fight with the pirates in the Gulf of Aden. “
Das soll aber nur ein erster Schritt sein, als nächstes kommt, fein austariert im gegenseitigen Drohkulissenaufbau, „Attack on Tel Aviv“. Da soll man dann ein entführtes iranisches Atomwissenschaftlerpaar aus den Klauen der Amerikaner und Israelis erretten. Mehr dazu lesen kann man in diesem ausführlichen Artikel auf Telepolis.
Tonfall des Sprechers und Machart des Videos kommen einem doch sehr bekannt vor, auch wenn die Bauweise des Spiels noch nicht nach neuestem Standard aussieht. Immerhin kann man sich damit trösten, dass die islamische Game-Industrie wenigstens in Sachen Feinfühligkeit fast mit westlichen Maßstäben gleichgezogen hat.
Für Otto Normalgamer bleibt die Freude, dass man jetzt endlich auch bei Nonfiction-Spielen die dunkle Seite der Macht ausprobieren darf. Schon bei Medal of Honor gab es nämlich einen entrüsteten moralischen Aufschrei, als es hieß, man könnte auch die Taliban-Seite spielen und Jagd auf die -zum Beispiel bundesdeutsche- Freiheit am Hindukusch machen. Daraus wurde dann erstmal nix, bis jetzt das, öhem, freie Spiel der Kräfte auch diese Lücke geschlossen hat.

Vergesst den laschen Mafia-Scheiß!

Denn hier kommt Data-Dealer! Medientheoretisch würde ich mal behaupten, dass, eben so wie es eine Hochzeit des politischen Films gab, diese Hochzeit für das politische Spiel grade erst in Schwung kommt:

Das Spiel soll es bald auch auf Facebook geben, was ja endlich Arsch und Eimer in ansprechendster Weise zusammenbringt. -So Facebook das tatsächlich durchgehen lässt. Was mich aber wundern würde, deutlicher könnte man seine Kritikunfähigkeit schließlich kaum demonstrieren. Vermutlich ist „gründe ein soziales Netzwerk und beute es aus“ sowieso das höchste erreichbare Level. Immerhin wird es das erste Social Network-Game sein, dass es dann doch geschafft hat mich zum mitspielen zu bringen. Für entsprechende Meldungen und Spielanfragen möchte ich mich jetzt schon -beiallenwomichkennen- entschuldigen:

https://www.facebook.com/datadealer

Ein kleinerer Vorgänger aus der Kategorie „Politisches Spiel“ war diese hübsche App für Smartphones. Erinnert in seinen radikal vereinfachten brutalen Ausdrucksformen etwas an frühe Tric oTronic Zeiten aka Firepanic:


Allerdings leider nicht spielbar auf I-Phones, Apple hat seine Kritikfähigkeit ja schon mehrfach bewiesen.

P.s.: Als weiteres Beispiel fällt mir auf die Schnelle eigentlich nur das ziemlich lustige „Soviet Unterzögersdorf“ ein, dass ja grade den Weg zurück vom Spiel zum Film versucht. Ganz sicher aber gab und gibt es noch viel mehr schöne Beispiele, die eine hübsche künftige Online-Sammlung hier ergeben würden. Mir ist klar, dass noch nicht allzuviele mitlesen, nixdestotrotz freu ich mich über Vorschläge!




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