TAX EVADERS!

Grade noch haben wir dieses Spiel auf unserer Tumblr-Sammlung Serious Alternatives zum 3.Bended Realities vorgestellt. Da aber kaum mehr Spaß & digitaler Situationismus möglich ist als bei diesem Teil, muss es natürlich auch hier abgefeiert werden:

Feines Ding, direkt aus der Occupy-Bewegung, unter der Beteiligung des von den Yes-Men gegründeten Yes-Lab und von Molleindustria entstanden. Sozusagen das klassische Space Invaders vor städtisch öffentlichem Raum, bloß, dass es hier darum geht, die großen Konzerne an der Steuerflucht zu hindern, indem man sie rechtzeitig abschießt.

Gelingt das nicht, werden die öffentlichen Gebäude, wie Schulen und Krankenhäuser im Hintergrund, immer rissiger, weil Geld fehlt um sie zu erhalten. In den USA wird das Spiel zurzeit in öffentlichen Aktionen auf die Wände großer Bank- und Konzerngebäude projiziert. Wenn man sein Level gemeistert hat, kann man die im Spiel abgeschossenen Fäuste öffentlicher Empörung auch gleich per Mail direkt an den Konzern seiner Wahl abschicken. Konkreter kann ein Spiel kaum werden und viele Passanten scheinen erfreut zu sein eine Runde mitzuzocken.

Mehr Serious Gaming, das heißt spielerisch einen ernsthaften Zweck zu verfolgen, mit mehr Spaß muss man auch erstmal hinbekommen. Wer auch schon immer mal Facebook, MacPappe oder Google vom Himmel holen wollte, kann hier einsteigen:

http://www.taxevaders.net/

Programm BR2013 PLAYING FOR REAL

24.-26.05. Offenbach / Waggon am Kulturgleis / HfG Schlosskapelle
Wir freuen uns beim BR2013 auf diese Gäste, Künstler und Vortragende, das Programm wird laufend aktualisiert.
Workshops laufen Samstags und Sonntags von 13h bis 18h in der HfG-Schlosskapelle, Vorträge, Diskussionen und Filme finden ebenfalls dort statt. An allen drei Tagen sind alte Arcade und Retro-Games im Schloss spielbar, außerdem eine Auswahl an Alternative und Serious Games, sowie Installationen. Am Waggon (Mainufer) ist ab Einbruch der Dunkelheit eine Live-Pong-Variante mit Projektion spielbar, im Waggon finden Performances & Konzerte statt.

Installationen:
Papercomputers, entstanden in einem Workshop mit Niklas Roy, der den HfG Studenten Till Aechtner, Lisa Hopf, Carolin Liebl, Nikolas Schmidt und Anne Euler folgende Fragen stellte: „How do computers work on their fundamental levels? Can we build communication networks from scratch – with rubber bands, rope and cardboard? How do analog metaphors for Drag & Drop look like?“ Werfen Sie einen Blick auf die durchaus verspielten Antworten in der HfG-Schlosskapelle!
Außerdem: SOCIAL SYSTEM Ein kooperatives Spiel von Carolin Liebl.

Freitag 24.05, HfG-Schlosskapelle, ab 14h:
Offene Werkstatt, Retro, Serious & Alternative-games & Installationen, Meat&Greed, eher fleischfrei, dafür mit Onigiri!

19h00: Der Digital Retro Park stellt sich vor
Aus dem Digital Retro Park stammen die Arcadeautomaten, die uns das Festival über erfreuen werden, ebenso wie das Live-Pong am Waggon. Der DRP verfügt über eine der größten Sammlungen von historischen Rechnern, Arcade-Automaten und Konsolen in Deutschland, hat ein fertiges Konzept für ein interaktives digitales Museum und sucht noch nach einem Standort. Vergangenheit und Zukunft digitaler Populärkultur zum anfassen und kennenlernen. Besonders empfohlen für jede/n, die/der wissen will wie die „Kreativstadt“ wirklich durchstarten könnte..

ca.19h40: Filmprogramm: Long live the New Flesh!
Oli Emm&Steff Huber, inzwischen auch vom Lichter Filmfestival bekannt, haben für das diesjährige Filmprogramm eine Achterbahnfahrt durch (Alp)träume und Allmachtsphantasien von Spiel und Wirklichkeit zusammengestellt. Ein Bogen vom Drohnenkrieg als Game-erfahrung bis zur möglichen Befreiung des Alltags aus Sachzwängen.

20h40, Waggon: Circuitnoise: mit der Cellular Noise Machine

Eine generative Klangkomposition, die auf zellulären Automaten basiert. Mit einem 1:0 Modell simulierte Zellen, die den Kampf ums Überleben durchspielen – immer wieder. Damit läßt sich Zellverhalten berechnen, Ausbreitung von Krankheiten, aber auch die Taktik des Gegners im kalten Krieg wurde so berechenbar. Wie Kollege Schirrmacher von der FAZ bemerkte, sind die dafür zuständigen Wissenschaftler inzwischen alle im Bankwesen tätig, wo ja auch viel gezockt wird.
Als Gamemaster und Soundtüfler ergründet Circuitnoise die Geräuschwelt der zellulären Automaten und macht den Überlebenskampf der Zellen durch seine Noise Machine in Echtzeit hörbar. Unterstützt wird die „Cellular Noise Machine“ durch das Neontron, das den Fluß der Elektronen in Leuchstoffröhren hörbar macht. Noise, Soundart und Spieltheorie – ‚ll be played for Real!

21h30, Waggon:Joysticksynthie: Infernal Cycle

Die Musiker Tilmann Jakob & Tobias Schmitt haben für den legendären Soundchip des C64 ein Synthesizerprogramm geschrieben, das selbstverständlich mit dem genauso legendären alten Joysticks gesteuert wird. Herr Schmitt und Herr Jakob laden ein mit ihnen zu spielen!

22h10, Waggon: Störenfried
„Mit 100 Meter Kabelsalat verlinkt Störenfried aus Dresden eine Schubkarre voll Spielzeugkeyboards, fantastischer Figuren, unidentifizierbarer Blinkobjekte und Leiterplatten auf einem Tisch inmitten des Saales. Als Lichtquelle dient das weiße Rauschen eines Minifernsehers, vor dem ein kleines Alien Dinge erzählt. “ Inzwischen ist daraus sein bekannter Koffer voller selbstgebauter Klangerzeuger geworden, mit dem er auf Konzertreise geht. Wer auch so hübsche Instrumente aus altem Spielzeug bauen will, sollte unbedingt am nächsten Tag in seine Workshops kommen!

23h00 bis Open End: „Ein Baron im Minenfeld-DJ Team“
Die Damen und Herren aus dem Minenfeld haben langjährige Erfahrung darin, zarteste Gefühle unbeschadet durch experimentelle Noise- und Darkwavekracher zum weitesten aller musikalischen Horizonte zu bewegen!

Samstag 25.05. , HfG-Schlosskapelle, ab 13h:
Offene Werkstatt, Retro, Serious & Alternative-games & Installationen, Meat&Greed, eher fleischfrei, dafür mit Onigiri!

13h00-18h00: Schräge Runde, Circuit Bending Workshop mit Alwin Weber
In seiner Heimat Dresden sind Alwin Weber, aka Störenfrieds Schräge Runde-Workshops ein Begriff. Kaum ein altes elektronisches Spielzeug, das nicht aufgebohrt und in ein neues Instrument oder sogar einen Touchsynthesizer verwandelt werden kann. Der Kurs ist gegen freiwillige Spende frei für Erwachsene und ältere Jugendliche. Teilnehmen können Anfänger wie Fortgeschrittene (Standuino anyone?).

16h00: Legal, illegal, scheißegal: Data Dealer
Dass Spiele, siehe Battlefield 3, oft amerikanische Politik zum nachschießen anbieten, ist nichts neues. Dass Spiele zunehmend auch genutzt werden um kritische Inhalte zu vermitteln ist eine jüngere Entwicklung. Wir freuen uns besonders Wolfie Christ aus Wien begrüßen zu dürfen, der mit seinem social game Data Dealer bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung Furore macht. Wer sagt denn eigentlich, dass man Aufklärung über Datenmißbrauch nicht direkt im Herz der größten Datenschleuder unterbringen kann? Oder, um es mit der Facebookseite (sic) des Spiels auszudrücken: „Jetzt die Seiten wechseln! Werde zum Data Dealer und sammle alle privaten Details über Freunde, Nachbarn, Bekannte & den Rest der Welt. Video Trailer & Demo-Version auf: www.datadealer.net!“

17h30: Alan Shapiro: „Online Casinos and the Virtualisation of Money“

Alan Shapiro, international anerkannter Netzphilosoph, Programmierer und Mathematiker mit MIT-Abschluss, sowie Übersetzer und ausgewiesener Star Trek-Experte, wirft mit uns einen Blick auf das Glücksspiel im Netz: „Through online casinos, we can learn a great deal about the virtualisation of money in the contemporary age of financial speculation and the play of floating capital, the endless cycles of bubbles and crashes, the decoupling of money from ‘gold standards’, and from ‘real production or wealth’.“

18h30: Gamification; Wieviel Spiel verträgt die Wirklichkeit?

Offener Talk, mit Keynotes von Ossi Urchs (F.F.T. MedienAgentur) , Dr.Ing. Martin Knöll von der Forschungsgruppe Digitale Stadtspiele der TU Darmstadt und einem Vertreter vonGame Area (FfM). Der Versuch ein Fazit der bisherigen Entwicklung zu ziehen und einen Ausblick zu geben: Auf eine Zukunft in der sich das Verhältnis von Spiel und Wirklichkeit grundlegend verändert.

20h00, Waggon: Das Gameboyorchester
Schon fast eine kleine Legende im RheinMain-Gebiet: „Das waren doch diese Verrückten, die live gemeinsam auf Gameboys herumimprovisierten, weißt du noch?“ Sie wissen`s noch und drei von ihnen haben sich aus Anlass dieses Festivals für eine kleine ReUnion-Session zusammengefunden!

20h40, Waggon: Sound Menu
Entfällt leider wegen eines Krankheitsfalls!Bodo Elsel, sonst eher als DJ mit Hang zum Haus bekannt, wird uns mit alten Handhelds, Games und Pult etwas zusammenmischen: „Musik für (Hand)helden, aus längst vergessenen Spielen aus längst vergangenen Tagen“.

21h00, Waggon: Les Trucs
Les Trucs zu beschreiben ist eine schwierige Sache: 16Bit Sound, der aber dermaßen nach 8Bit klingt, dass sie 2008 als Retrokapelle zur Gamescon eingeladen wurden. Aufgebrochen wird das bunte optische wie musikalische Treiben durch annähernd klassische Anleihen bei Bach und allem was die Musikgeschichte sonst noch hergibt. Selbst beschreiben sie sich gern mal als Trashversion von Jean Michel Jarre oder auch als „die verlängerten Beine und Arme einer gigantischen analogen Synthstation.“ Auf jeden Fall sind die Trucs dermaßen ekklektizistisch und verspielt in ihrem Ansatz, dass sie bei diesem Festival dabei sein müssen!

22h00, Waggon: Gelbart
Nicht nur die internationale Vice ist schwer beeindruckt von manischen israelischen Soundbastler, der in Berlin sein Quartier aufgeschlagen hat, auch De:bug kommt kaum nach mit blumigsten Vergleichen. Da wird Messiaen durch glitzernde Schlaghosenwälder getrieben und Pixelkonfetti mutiert zum jubelnden Spacerockfinale. Was Gelbart definitiv auszeichnet ist sein tiefes Verständnis vom auseinandernehmen und neu zusammensetzen ältestester wie neuerer Klangerzeuger und Sounds. Gekoppelt mit einer Einstellung, die hörbar eher vom Punk und Wave kommt und nichtsdestotrotz mit spielerischer Leichtigkeit Techno und Elektronik neu von hinten aufrollt. Definitiv ein Höhepunkt des Festivals, wenn die Raumpatrouille Orion den Technoclub erobert!

http://www.myspace.com/gelbart

Ab ca. 23h00, Waggon: „Ein Baron im Minenfeld-DJ Team“
Die Damen und Herren aus dem Minenfeld haben langjährige Erfahrung darin, zarteste Gefühle unbeschadet durch experimentelle Noise- und Darkwavekracher zum weitesten aller musikalischen Horizonte zu bewegen!

Sonntag 26.05., HfG Schlosskapelle, ab 13h:
Offene Werkstatt, Retro, Serious & Alternative-games & Installationen, Meat&Greed, eher fleischfrei, dafür mit Onigiri!

Ab 13h00: Schräge Runde, Workshop für Kinder und Jugendliche

Mit Alwin Weber aka Störenfried aus Dresden. Auch Kinder sind unter Alwins fachkundiger Anleitung schon in der Lage z.B. einen Miniamp, einen Touchsynthiesizer oder auch ein Solartierchen zu bauen. Mindestens genau so wichtig, neben all dem Kompetenzerwerbsscheiß, ist es aber, die selbstgebauten Teile am Ende ordentlich aufzumotzen, und zu stylen! Die Offene Werkstatt bleibt natürlich offen für jeden der noch etwas weiterbauen oder zeigen möchte. Sogar für Erwachsene!

14h30: The TBA Hour
Gegebenenfalls ist hier noch Platz für einen weiteren Vortrag oder einen spontane Aktion..

Ab 15h30, Waggon: Elektro Kartell Lounge
Schon fast eine Tradition, dass der letzte letzte Tag des BR mit der Elektro Kartell Lounge seinen gediegenen aber vor allem äußerst entspannten Abschluss findet. Sonnenterrasse am Mainufer und eine akkustisch recht sehr genehme Ambientjamsession der versierten Elektroniker lassen das Festival ausklingen.

Open Call BR2013: PLAYING FOR REAL

BR2013, PLAYING FOR REAL wirft einen Blick auf das sich verwischende Verhältnis von Spiel und Realität. In einer zunehmend virtuell angereicherten Wirklichkeit buhlen gamifizierte Strategien in Wirtschaft und Politik massiv um unsere Teilnahme als potentielle Mitspieler. Die Weisheit, dass man sich auf der Welt immer entscheiden muss, welches Spiel man mitspielt ist vermutlich schon älter als das digitale Zeitalter. Seit den ersten Heimcomputern ist allerdings kaum eine Generation vorstellbar, die besser auf all die spielbaren Extraleben vorbereitet wäre.

Wer da mit wem spielt, scheint eine ebenso wichtige Frage zu sein, wie die,woher die Entwicklung kommt und wohin sie führt.

Gesucht werden künstlerische (Kom-)Positionen, Spiele, Projekte und Vorträge, die das Verhältnis von Spiel und Wirklichkeit in Zeiten der Vollvernetzung reflektieren.

Kurze Info zu Projekt/Idee, Person & Lebenslauf bis spätestens 15.04. an: georg_kleinde@yahoo.de

Bended Realities ist ein selbstorganisiertes Festival, das sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen und der Veränderbarkeit des digitalen Zeitalters auseinandersetzt. Das experimentelle umbauen elektronischer Klangerzeuger um nie gehörte Töne zu erforschen, aka Circuit bending, ist der namensgebende Ausgangspunkt dafür. Jedes Jahr gibt es ein aktuelles Schwerpunktthema, das künstlerisch, theoretisch und diskursiv ausgeleuchtet wird. Besonderer Wert wird dabei durch Workshops und Vorträge auf das selbst ausprobieren und kennenlernen gelegt. In der offenen Werkstatt können Projekte vorgestellt, diskutiert und ausprobiert werden.

BR2013, PLAYING FOR REAL takes a look at the blurring relationship between games and reality.

In an increasingly virtually enhanced reality, gamified strategies in business and politics massively court us as potential players. That one always has to decide which game to participate in is a piece of wisdom probably older than the digital age. Since the first home computers, however, there hasn´t been a generation better prepared for all these playable extra lives.
Who´s playing with whom seems to be as important a question as where this development comes from and where it is leading.
We are looking for artistic (com)positions, games, projects and lectures that reflect the relationship between games and reality in the times of universal networking.

Please send some short information about your project/idea, person & CV to:
georg_kleinde@yahoo.de by April 15th at the latest.

PLAYING FOR REAL

Bended Realities 2013 /////// 24.-26.05.2013

    Verändern Spiele unser Leben?

    Für den US-Autor Edward Castronova war diese Veränderung keine Frage mehr, sondern die Titelbehauptung seines bereits 2008 erschienen Buches. Eine Grundannahme, mit der Marketingexperten schon länger arbeiten. Schließlich reicht das Punktesammeln auf dem Smartphone aus, um Millionen Kunden zum wiederholten einchecken in einen Laden zu motivieren (z.B. Foursquare) . Jeder, der seit den Achtzigern mit “Heimcomputern“ und Spielkonsolen aufgewachsen ist, kennt den Wunsch ins nächste Level aufzusteigen. Von Computerspielen geprägten Generationen ist eine Bonuspunktrunde oft näher als das größte Statussymbol. -Außer es lässt sich freispielen.
    Die Spieltheorie besagt mehr oder weniger, dass jede soziale, ökonomische oder politische Situation wie ein Spiel berechnet werden kann. Alles, was zur Einübung erwünschten Verhaltens führt, lässt sich lustvoll als soziales Spiel gestalten, sagen darauf aufbauende Gamificationtheorien, und die um sie herum entstehende Kreativindustrie. Sie beeinflussen inzwischen mit hedonistischen Anreiz-Techniken den US-Wahlkampf ebenso, wie Sammelaufkleber an der Supermarktkasse.
    Es scheint also so gut wie sicher, dass in den nächsten Jahren unsere Leben, unsere Arbeitsplätze, ebenso wie unser politisches System restlos durchgamifiziert werden. Behaupten zumindest Gamification-Theoretiker und sehen eine freundlichere, spielerische und engagiertere Welt voraus. Eine, in der auch die US-Navy über besonders kreative Lösungen für Piraten-Einsätze auf Online Rollenspiel-Art und Weise nachdenken lässt, allerdings:

    Das muss, im Sinne einer offeneren Welt, nicht nur negativ sein: Beispielsweise, wenn die besten Lösungsvorschläge im Spiel auf Hilfe für die verarmten Küstenbewohner setzen würden. Die neuen Spiele haben viele Seiten. Vom datensaugenden Social Game auf Facebook bis zum politisch kritischen Gegenteil ist alles möglich.
    Wie werden wir leben zwischen freundlich hedonistischer Verspieltheit und massiver Engagement-Optimierung? Was heißen Spiele bereits heute für uns und was können sie in Zukunft bedeuten? Werden wir überhaupt noch wissen wann und was wir spielen? Vor allem aber und typisch für ein Bended Realities Festival: Kann man die Regeln ändern und eigene Spiele spielen?
    Die Antwort liegt irgendwo dort draußen im Nebel des Bended Realities 2013.. get out and Play for real!

    Künstlerische Positionen Musik Workshops Theorie&Praxis Circuit bending Experimente
    Playing for real at BR2013!

Open Call:

    BR2013, PLAYING FOR REAL

-wirft einen Blick auf das sich verwischende Verhältnis von Spiel und Realität.
In einer zunehmend virtuell angereicherten Wirklichkeit buhlen gamifizierte Strategien in Wirtschaft und Politik massiv um unsere Teilnahme als potentielle Mitspieler. Die Weisheit, dass man sich auf der Welt immer entscheiden muss, welches Spiel man mitspielt ist vermutlich schon älter als das digitale Zeitalter. Seit den ersten Heimcomputern ist allerdings kaum eine Generation vorstellbar, die besser auf all die spielbaren Extraleben vorbereitet wäre.
Wer da mit wem spielt, scheint eine ebenso wichtige Frage zu sein, wie die,woher die Entwicklung kommt und wohin sie führt.
Gesucht werden künstlerische (Kom-)Positionen, Spiele und Projekte, die das Verhältnis von Spiel und Wirklichkeit in Zeiten der Vollvernetzung reflektieren.

Bewerbungen mit Projektbeschreibung & kurzem Lebenslauf bis 30.03.2013 an: georg_kleinde@yahoo.de

Bended Realities ist ein selbstorganisiertes Festival, das sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen und der Veränderbarkeit des digitalen Zeitalters auseinandersetzt. Das experimentelle umbauen elektronischer Klangerzeuger um nie gehörte Töne zu erforschen, aka Circuit bending, ist der namensgebende Ausgangspunkt dafür. Jedes Jahr gibt es ein aktuelles Schwerpunktthema, das künstlerisch, theoretisch und diskursiv ausgeleuchtet wird. Besonderer Wert wird dabei durch Workshops und Vorträge auf das selbst ausprobieren und kennenlernen gelegt. In der offenen Werkstatt können Projekte vorgestellt, diskutiert und ausprobiert werden.
Schaltkreise (Circuits) verändern unsere Realität, Schaltkreise können verändert, umgebogen (bending) werden. Von jedem. Bend it!

Call of the wild

Das ist ein verdammt hübscher Minister bzw. Sekretärstitel und sein Träger füllt ihn auch optisch völlig aus. So stellt man ihn sich doch vor, den Nationalparkverwalter der Zukunft:

Vieles lässt sich hineininterpretieren, in diesen grandiosen Titel, man könnte ihn ja auch so sehen: Als ironischen Aufstiegsmarkstein der digitalen Klasse in das hochkonjunkturelle Land, wo keiner mehr so genau weiß ob man wirklich noch für die Guten arbeitet. -Oder es nicht mehr so genau wissen will, natürlich.

Beasts of the southern net

Den zur Folie gehörenden, recht interessanten Vortrag über Obamas Wahlkampf gibt es hier, gefunden vom Herrn Kollegen EMM. Die Powerpoint-Blätter machen gründlich klar, warum in Zukunft kein Wahlkampf mehr ohne Internet und Komplettdurchleuchtung von Wählern und Akteuren zu gewinnen ist, und stammen von einer Firma mit dem schönen Namen „Engage“. Bei selbiger handelt es sich nach eigenen Angaben um eine „full-service interactive agency , with a track record of winning the toughest battles in politics and public policy.“

Kurz gesagt eine große Firma, die davon lebt für die Republikaner Werbung zu machen und gerne im nächsten Wahlkampf noch mehr verdienen möchte. Entsprechend sorgfältig wird die Technik des Gegners analysiert um zu dem Schluss zu kommen: „In 2016, Republicans can’t afford to fight the battles of 2012. We have to look forward to the future and start preparing now.“ Man kann sich völlig ausreichend davor fürchten, wie diese nächsten „battles“ in Übersee und hier aussehen werden. Vor allem wenn all die feinen Analyse-Instrumente noch feiner, soll heißen skrupelloser eingesetzt werden. Der Tag wird kommen, an dem Verwandte, Bekannte und sämtliche Facebookfreunde sich gegenseitig mit gründlich durchpersonalisierten und ständig aktualisierten Wahlkampfphrasen zu Tode nerven.
Wie gut, dass es in dieser gefährlichen sehr nahezukünftigen Schwafelwüste noch die tapferen „Wildlife Preservation-Untersekretäre“ gibt. Auf dass sie gut achtgeben mögen, auf all die Bären, Wölfe, Schlangen und Feldratten.

Popenkopfweitwurf als politische Disziplin

Man konnte zur Pussy Riot Betroffenheitsflut stehen wie man wollte, -entkommen, zumindest wenn man im Fratzenbuch unterwegs war, ging einfach nicht. Und einen aufgeregten Standpunkt dazu sollte man haben müssen. Wenn es auch nur der etwas blasiert angeekelte der FAZ war, der mehr oder weniger auf „lasst mich bloß mit der linksprovokativen Aktionistenscheiße in Ruhe, das wird irgendwann auch so Baader-Ensslin-Terroristenpop, mit dem unser Feuilleton noch dreißig Jahre später nervt.“ -hinauslief.

Man kann sogar nachvollziehen, daß all die plötzlich hardcorepolitisch Facebookengagierten Bilderteiler und Popstars auf Dauer etwas nervig werden. Andererseits, ein auch mal jung gewesener FAZ-Azubi wäre sicher nicht für heimlich in der Kirche saufen (wahlweise auch Weihwasser ausschütten im Marx-Geburtshaus) , rülpsen, fluchen und sich mal krass radikal fühlen für drei Jahre nach Sibirien geschickt worden.
Außerdem führt so ein großer Engagement-Storm nicht nur zu mäßig kreativen Betroffenheits-Resultaten, sondern mitunter auch zu schönen Entdeckungen, wie beispielsweise dieser hier:

Fly Putin, Fly..
Wer also statt der dummen Vögel schon immer mal mit Popen und Politikerköpfen nach widerspenstigen Weibsbildern werfen wollte, ja der sollte. Und zwar unbedingt auf diese Seite einen Blick werfen.
Die beiden litauischen Schöpfer betrachten übrigens politische Spiele als die Journalismus/Aufklärungsform des neuen Jahrhunderts. Daraus folgen nicht nur äußerst hübsche Spiele, wie z.b. der vor der Botschaft herumhüpfbare Assange, sondern, zumindest soweit es nach mir geht, auch Einladungen um mehr dazu zu erzählen. Und zwar Einladungen zu uns, so wir uns das leisten können!

Aufrüstung der Gamezone

Oder doch eher Wettrüsten?
War ja eigentlich klar, dass Spiele, wie z.B. Battlefield 3, die mehr oder weniger unverhüllt amerikanische Interessenpolitik zum nachschießen/ bzw. spielen anbieten, inklusive dem Einmarsch in Teheran, auf Dauer nicht unbeantwortet bleiben.

Was wir hier sehen ist sozusagen die islamistische Variante davon, mitproduziert vom iranischen Militär. Vorgestellt wurde das Spiel letzten Monat in Anwesenheit eines Admirals derselbigen Flotte. Hier geht es zwar noch vergleichsweise harmlos gegen Piraten, aber die iranische Nachrichtenagentur Fars News tönt immerhin schon begeistert: „The computer game which was produced using the powerful motor of „Unity“ and enjoying a professional graphic and sounding displays the Iranian Navy’s mighty presence in the international waters and Navy commandoes‘ fight with the pirates in the Gulf of Aden. “
Das soll aber nur ein erster Schritt sein, als nächstes kommt, fein austariert im gegenseitigen Drohkulissenaufbau, „Attack on Tel Aviv“. Da soll man dann ein entführtes iranisches Atomwissenschaftlerpaar aus den Klauen der Amerikaner und Israelis erretten. Mehr dazu lesen kann man in diesem ausführlichen Artikel auf Telepolis.
Tonfall des Sprechers und Machart des Videos kommen einem doch sehr bekannt vor, auch wenn die Bauweise des Spiels noch nicht nach neuestem Standard aussieht. Immerhin kann man sich damit trösten, dass die islamische Game-Industrie wenigstens in Sachen Feinfühligkeit fast mit westlichen Maßstäben gleichgezogen hat.
Für Otto Normalgamer bleibt die Freude, dass man jetzt endlich auch bei Nonfiction-Spielen die dunkle Seite der Macht ausprobieren darf. Schon bei Medal of Honor gab es nämlich einen entrüsteten moralischen Aufschrei, als es hieß, man könnte auch die Taliban-Seite spielen und Jagd auf die -zum Beispiel bundesdeutsche- Freiheit am Hindukusch machen. Daraus wurde dann erstmal nix, bis jetzt das, öhem, freie Spiel der Kräfte auch diese Lücke geschlossen hat.




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